Die Antwort liegt unter der Erde

Veröffentlicht am Mo., 18. Mär. 2019 13:15 Uhr
Aktuelles

Über den Stand der archäologischen Forschung in der Lausitz informierte Dr. Thomas Kersting vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege am Freitagabend in Luckau. In der Veranstaltungsreihe „Kein schöner Land … „ des Kirchenkreises Niederlausitz wollten die Veranstalter zugleich der Frage nachgehen, was man aus der Ur- und Frühgeschichte über die Herkunft der Lausitzer lernen kann. Etwa 40 Gästen waren in die Räume der evangelischen Kirchengemeinde gekommen.

 Die Siedlungsgeschichte der Lausitz ist im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands jung. Sie begann nach der Eiszeit vor etwa 13.000 Jahren. Diese These galt, bis man vor einigen Jahren im Tagebaue Jänschwalde bei Grabungen Werkzeuge eines Neandertalers von vor etwa 130.000 Jahren gefunden hatte. Damit verzehnfachte sich das Alter der Lausitz mit einem Schlag. Dieses Beispiel lehre sehr deutlich, dass jeder Fund den Blick auf die Geschichte, die uns zu dem machte, was wir heute sind, stets verändere, erläutertet der Archäologe in seinem prägnanten Vortrag. Neue Erkenntnisse belegen, dass es in der Frühgeschichte weit mehr Fernbeziehungen in den Nahen Osten gab, als man bislang annahm. Über die Balkanroute kamen die Menschen, um in Deutschland und auch in der Lausitz Äcker urbar zu machen. „Aufgrund von zahlreichen Münzfunden gehen wir davon aus, dass es auch Menschenhandel in den arabischen Raum gab“, erläutert Kersting weiter. Dass die Lausitz für die Archäologie so aufschlussreich ist und sie als Referenzobjekt für Brandenburg gilt, hängt mit dem Braunkohlentagebau zusammen. Nirgendwo konnten Archäologen so flächendeckend arbeiten, wie in den großen Abraumflächen. Unmengen von Keramik und Gussformen aus der Zeit der sogenannten Lausitzer Kultur, die in die Bronze- und Eisenzeit datiert wird, haben die Wissenschaftler in den Böden gefunden. „Die Funde machen eine frühe kulturelle Blüte in der Region deutlich“, sagte Kersting. Bekannt sei inzwischen auch, dass die Lausitz um das 5. Jahrhundert für etwa 150 Jahre nahezu menschenleer war, weil die Ackerflächen infolge von Übernutzung verweht und versandet waren. Die Menschen wanderten in Richtung Südwesten ab. „Mit den slawischen Einwanderern hat es komplett neue Siedlungsstandorte, neue Kulturen und neue Bauweisen gegeben“, sagt der Archäologe und verweist zugleich dabei auf das bis heute kontrovers diskutierte Verhältnis von Slawen und sogenannten Germanen hin: Die ab dem Ende des 19. Jahrhundert verbreitete Theorie vom Slawen als Untertan des Germanen könne man aus archäologischer Sicht nicht bestätigen. Das Verhältnis der beiden Gruppen sei wechselseitig gewesen. Die Ausgangsfrage, wo der Lausitzer herkommt, könne so beantwortet werden: „Wir Lausitzer sind Bewohner eines Territoriums, dessen Bevölkerung sich stets veränderte und verändern wird“, resümierte Dr. Thomas Kersting. Er selbst war in den neunziger Jahren als Wissenschaftler aus dem Rheinland in die Lausitz gekommen.     

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