Eine neue Geschichte aus dem geteilten Land

Veröffentlicht am Fr., 4. Okt. 2019 11:08 Uhr
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Laiendarsteller in Lübben machen Wunder der Wende deutlich

Auch 30 Jahre nach der friedlichen Revolution gibt es immer wieder neue Geschichten aus dem geteilten Deutschland im Jahr 1989 zu erzählen. In Lübben wechselten am 3. Oktober Laiendarsteller von der evangelischen Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde mit einer szenischen Darstellung die Perspektive. Das Stück „Die Mauer wird noch in 100 Jahren stehen“ von Elke Brumm lässt nicht wie gewohnt Zeitzeugen, Akteure, Wendegewinner oder -verlierer sprechen. Der Blick richtet sich auf das Frühjahr 1989, als an die Prager Botschaft, Lichterketten und Friedensgebete nicht zu denken war. Die Texte einer tatsächlichen Umfrage dokumentieren aus Sicht der Regisseurin Ute Köhler aus Lübben das Wunder der Wende besonders deutlich. Gefragt hatte die Abiturientin Elke Brumm nach der Deutschen Frage. Wie und wann kann es zu einer Wiedervereinigung kommen? Keiner der 45 Befragten aus ihrem persönlichen Umfeld hielt eine Wiedervereinigung in absehbarer Zeit für möglich. Später hat Elke Brumm ein Theaterstück daraus geschrieben. So fanden sich die etwa 60 Zuschauer in ein Westberliner Klassenzimmer hineinversetzt. Grundkurs Geschichte Frühjahr 1989. Kreidetafel und Lehrerpult. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage treten persönlich oder in Videobotschaften auf. „Bei weltweiter Entspannung ist vielleicht in 100 Jahren an eine Wiedervereinigung zu denken“ meint etwa der Student Fritz, gespielt von Stefan Hoffmann. Der Pädagoge Jürgen (Wolfgang Flechtner) hält eine Wiedervereinigung für unmöglich. „Wer für eine Wiedervereinigung ist, will das Rad der Geschichte zurückdrehen“. Der roter Schal unterstreicht seine Haltung. Nacheinander kommen sie zu Wort: Akademiker, Arbeiter, Alte und Junge, Westler und Ostler, wie etwa Andy (Pfarrer Martin Liedtke). Der Landwirt einer märkischen LPG redet sich in einem aus der DDR eingeschmuggelten Video in Rage. Eine Wiedervereinigung sei nicht anzustreben, weil beide Systeme nicht in einen Topf passten. So steht am Ende eine lange Liste an Gründen gegen eine Wiedervereinigung. Zwischen den Statements sind Bilder aus Lübben in der DDR auf der Leinwand zu sehen. In den Zuschauerreihen wird gemurmelt, Erinnerungen werden wach. Unter den Gästen ist Christoph Paschke aus Lübben. Der 70-Jährige lief bei den Demonstrationen in Lübben im Herbst 1989 mit. „Mit Kerzen in der Hand haben wir friedlich demonstriert, immer darauf bedacht, Eskalation zu vermeiden. Dass sich alles so gefügt hat, ist ein Glücksfall. Das Stück macht es besonders deutlich“, sagt er. Als zum Abschluss die "Ode an die Freude" erklingt und dazu Bilder vom Mauerfall und der Grenzöffnung am 9. November 1989 über die Leinwand flimmern, hängt jeder wohl seinen persönlichen Wendeerinnerungen nach. Fast wurde dabei der gebührende Applaus vergessen. Erst das Knallen der Sektkorken hat die Gäste ins Heute zurückgeholt. Am Ende hieß es „Prosit“ auf das Wunder der Wende und den Tag der Deutschen Einheit. Die zwölf Laienschauspieler von der Kirchengemeinde jedenfalls haben Freude am Theaterspielen gefunden. Ob es in Kürze mehr gibt, will Ute Köhler nicht versprechen. Danke sagt sie zunächst allen Mitwirkenden, im Besonderen Stefan Hoffmann für die technische Betreuung und all den Menschen, die Fotos zur Verfügung gestellt haben. 

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